Sturmprobleme in der Nationalelf

Während die WM 2010 in Südafrika mit großen Schritten näher rückt, wirft das derzeitige Schwächeln der besten deutschen Stürmer die bange Frage auf, wer denn unsere Nationalelf überhaupt zum Titel schießen soll. Denn der Kreis der üblichen Verdächtigen ist klein und überschaubar: Klose und Podolski tragen schon seit vielen Jahren das deutsche Trikot, auch Gomez ist längst ein alter Bekannter. Doch gerade der erfolgreiche Sturm der WM 2006 steckt in einer Krise: Klose hat in der Bundesliga erst ein Tor erzielt, Podolski hat noch mit den Spätfolgen seiner Verletzung zu kämpfen und sucht nach seiner Form.

Dies lässt befürchten, dass der deutsche Sturm in Südafrika zum lauen Lüftchen wird. Doch Verzweiflung ist noch nicht angebracht: Klose hat in seiner Karriere schon einige Formtiefs überwunden und Podolski schießt in der Nationalelf auch dann seine Tore, wenn es in der Liga mal nicht so läuft- zuletzt war er zwei Mal gegen die Elfenbeinküste erfolgreich.

Die 2. Reihe im deutschen Sturm hat in der bisherigen Saison sehr ansprechende Leistungen gezeigt. So wusste Gomez beim FC Bayern zu überzeugen; allerdings versagten ihm in der Nationalelf bisher meist die Nerven. Es fällt schwer zu glauben, dass es ihm bei der WM 2010 gelingt, den Schalter umzulegen. Auch Kießling hat sich durch seine starken Leistungen in der Bundesliga in die Nationalelf gespielt, schaffte dort aber ebenfalls noch nicht den Durchbruch. Cacau gehörte schon mehrfach dem deutschen Kader an und versuchte diesem brasilianischen Zauber zu verleihen; nach seiner rabenschwarzen Hinrunde mit dem VfB Stuttgart fällt es aber nicht leicht, große Hoffnungen in ihn zu setzen.

Eine Alternative bietet sich Löw durch den jungen Bremer Marin, der eigentlich gar kein klassischer Stürmer ist, aber schon gegen Südafrika im hängenden Sturm eingesetzt wurde. Auch wenn er dort nur eine mäßige Leistung zeigte, gehört ihm in der Nationalelf sicherlich die Zukunft.

Zeigt der deutsche Bundestrainer Mut, könnte Marin bei der WM 2010 auch der internationale Durchbruch gelingen. Denn gerade sehr jungen Spielern ist es bei großen Turnieren schon häufig gelungen, mit ihrem unbeschwerten und erfrischenden Stil die Zuschauer zu begeistern.

In der nächsten Monaten bleibt den deutschen Stürmern noch etwas Zeit, um zu alter Stärke zurück zu finden. Gelingt dies jedoch nicht, kann vielleicht die Erinnerung an die WM 2002 in Südkorea und Japan ein wenig Trost spenden. Damals gelang dem deutschen Team unter Rudi Völler mit Minimalistenfußball und Catenaccio bekanntermaßen der Einzug ins Finale.

Kommentieren ist momentan nicht möglich.